© privat
„Es ist wie Reisen, ohne das Haus zu verlassen“
Was bedeutet es, Wohnraum für internationale Studierende anzubieten? Zwei Bremer:innen erzählen
Zum Start des Sommersemesters im April erwartet die Universität Bremen wieder zahlreiche Studierende aus dem Ausland. Um die Neuankömmlinge aus aller Welt beim Ankommen zu unterstützen, hat das International Office (IO) eine Webseite eingerichtet, auf der Bremer:innen ganz einfach Wohnraum anbieten können. Zwei Mitarbeiterinnen der Universität, Claudia Pellegrino und Britta Plote, haben diesen Schritt gewagt. Im Interview teilen sie ihre Erfahrungen – vom Vorteil fester Duschzeiten über neue kulinarische Eindrücke bis hin zu gemeinsamen Spieleabenden.
Was hat Sie davon überzeugt, Wohnraum für internationale Studierende anzubieten?
Britta Plote: Ich habe einen Aufruf an der Uni gelesen, dass noch Wohnraum für internationale Studierende gesucht wird. Bezahlbare Wohnungen oder Zimmer sind allgemein schwer zu finden, aber für internationale Studierende ist es besonders schwer, auch weil sie oft nur begrenzte Zeit hier sind. Da wir ein freies Gästezimmer hatten, dachten wir, dass es nett wäre, dieses kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Ich finde, internationale Gäste zu haben, ist ein bisschen wie Reisen, ohne das Haus zu verlassen. Es öffnet den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.
Claudia Pellegrino: Das sehe ich ganz genauso. Viele Menschen in meinem Freundeskreis machen lange Reisen, um die Welt kennenzulernen – ich hole die Welt zu mir nach Hause. Zudem hatte ich als Mitarbeiterin des International Office in den vergangenen Jahren beruflich viel mit internationalen Studierenden zu tun und kam deshalb auf die Idee, diese positiven beruflichen Erfahrungen auch ins Private mitzunehmen.
© Universität Bremen
Hatten Sie im Vorfeld Bedenken?
Pellegrino: Ich hatte im Vorfeld die Sorge, dass das gemeinsame Nutzen von Küche und Bad Probleme bereiten könnte. Durch Absprachen und das Einhalten von Zeiten waren diese Bedenken allerdings schnell aus dem Weg geräumt.
Plote: Wenn man sich auf eine:n neue:n Mitbewohner:in einlässt, weiß man natürlich im Vorfeld nie hundertprozentig, ob die Chemie und die Erwartungen an das Zusammenleben übereinstimmen. Wir haben mit Zeynep, die nun bei uns wohnt, vorab einen Videocall gemacht, bei dem wir uns zumindest kurz kennenlernen und feststellen konnten, dass unsere gegenseitigen Vorstellungen an das Miteinander übereinstimmen. Wir waren uns direkt sympathisch.
Wer wohnt aktuell bei Ihnen?
Pellegrino: Im gerade auslaufenden Wintersemester, während der Vorlesungszeit, hat ein 22-jähriger Student der Wirtschaftswissenschaft aus Usbekistan bei mir gewohnt.
Plote: Bei uns ist vor vier Monaten Zeynep eingezogen. Sie ist 20 Jahre alt und kommt aus Ankara. Momentan verbessert sie ihr Deutsch, um danach hier Informatik zu studieren. Für sie ist es nicht nur das erste Mal, dass sie von zuhause ausgezogen ist, sondern auch das erste Mal in einem anderen Land überhaupt. Das finde ich sehr mutig.
© Leona Hofmann / Universität Bremen
Wie gestaltet sich der Alltag?
Plote: Es ist total schön, noch eine weitere Person bei uns wohnen zu haben – wir genießen das sehr. Das Zusammenleben mit Zeynep ist eine wunderbare Mischung aus Familienzuwachs und WG. Wir kochen meist getrennt, aber manchmal ergibt es sich einfach spontan, dass wir gemeinsam essen oder uns verabreden, um zusammen den Abend zu verbringen. Zeynep hat uns das türkische Spiel Okey beigebracht und wir haben ihr einige von unseren Lieblingsspielen gezeigt. Im Haushalt haben wir Aufgaben wie Bad putzen, Müll rausbringen und staubsaugen aufgeteilt. Wichtig ist uns dabei, offen miteinander zu kommunizieren und Dinge, die uns beschäftigen, auch direkt anzusprechen – das trägt viel dazu bei, dass alles so gut funktioniert.
Pellegrino: Jeder hatte eigene Lebensmittel, und ein eigenes Fach im Kühl- und Vorratsschrank. Wir haben aber trotzdem, wenn es möglich war, gemeinsam gegessen und konnten somit die jeweilige Esskultur des anderen kennenlernen.
Die Universität Bremen sucht aktuell wieder nach Wohnraum für ihre internationalen Studierenden. Wie läuft es genau ab, wenn man Wohnraum anbieten möchte?
Pellegrino: Angesprochen sind alle Bremer:innen, die ein freies Zimmer oder eine freie Wohnung haben. Einfach das Webseitenformular ausfüllen. Wenn das International Office des Universität eine:n passende:n Mieter:in gefunden hat, erhält man einen Anruf. Das International Office gibt den Studierenden alle notwendigen Informationen, so dass die Vermietenden sich um nichts mehr zu kümmern brauchen, wie beispielsweise eine Wohnungsgeberbescheinigung. Das ist wirklich sehr einfach.
Plote: Ich fand es auch sehr unkompliziert. Ich habe ein paar Angaben zum Zimmer, zur Wohnung und zu unseren Vorstellungen gemacht und wurde direkt in die Online-Datei des International Office aufgenommen. Nachdem der Erstkontakt hergestellt wurde, haben Zeynep und ich alles weitere direkt per E-Mail und Messenger besprochen.
Weitere Informationen
Formular des International Office für interessierte Vermieter:innen