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Klimaforschung, die Politik macht
Die Forschung von Ben Marzeion prägt die internationale Klimapolitik: Als Leitautor eines IPCC-Sonderberichts zu Ozeanen und Kryosphäre liefert er wissenschaftliche Grundlagen für politische Entscheidungen weltweit.
Wenn auf UN-Klimakonferenzen über die Zukunft unserer Meere, Gletscher und Küstenstädte verhandelt wird, steckt darin oft auch ein Stück Bremen: Die Forschung von Ben Marzeion liefert Entscheidungsgrundlagen für die internationale Klimapolitik. Wissenschaftskommunikatorin Julia Gantenberg hat mit ihm darüber gesprochen, wie Wissenschaft wirkungsvoll in politische Debatten eingebracht wird und welche Verantwortung Forschende dabei tragen.
Was war der bisher einflussreichste Moment Ihrer Forschung außerhalb der wissenschaftlichen Community?
Wenn es nach der Pressestelle der Uni Innsbruck geht, ist es die Veröffentlichung eines meiner Paper aus meiner Zeit dort. Es erhielt große öffentliche Aufmerksamkeit, weil es von Barack Obama auf Twitter erwähnt wurde. Nachhaltigere Wirkung hat aber mein Beitrag zum IPCC-Report.
Hat Ihre Forschung also bereits zu konkreten politischen Maßnahmen geführt?
Ja, durchaus. Wir treffen hier Aussagen darüber, wie der Meeresspiegel sich verändert. Diese Daten gehen zum Beispiel in den IPCC-Bericht ein und von dort weiter in Planungsbüros und Behörden. Diese prüfen, mit welchen Maßnahmen sie auf die Projektionen reagieren können, beispielsweise in Form von Hochwasserschutz in Städten.
„Was mir Hoffnung macht: Dass politische Akteur:innen das Problem begreifen, sich informieren, uns zuhören.“ Ben Marzeion
Wie erleben Sie die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik?
Wenn ich direkt mit Politiker:innen spreche, bin ich positiv überrascht, wie gut sie informiert sind. In den Medien äußern sie sich dann teilweise anders – vermutlich, weil es darum geht, was Wähler:innen zugetraut werden kann. Es scheint da einen Filter zu geben.
Sind Sie regelmäßig mit politischen Entscheider:innen im Austausch?
Eher mit NGOs. Sie setzen sich dafür ein, dass das Thema auf der internationalen politischen Agenda bleibt, sind gut vernetzt und auf den einschlägigen Konferenzen präsent. Über gemeinsame, internationale Allianzen kann man dann größere Aufmerksamkeit erlangen – und auch Wirkung erzielen.
© Ben Marzeion
Müssen Wissenschaft und Politik noch enger kollaborieren?
Man muss klar unterscheiden zwischen Wissenschaft und Politik. Ich habe eine klare Meinung dazu, wie ambitioniert man das Problem lösen sollte. Ich äußere mich aber eher zurückhaltend – auch um die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu erhalten. Unsere Rolle ist eine konstruktive: Wir sind dafür da, die Folgen verschiedener Handlungsoptionen zu erklären. Mein Eindruck ist, dass das ganz gut funktioniert. Dass nicht genug passiert, liegt nicht an fehlendem Wissen in der Politik.
Welche Verantwortung tragen Klimaforscher:innen aktuell?
Im Grunde geht es in der Demokratie darum, dass Menschen informierte Entscheidungen treffen können. Unsere Aufgabe als Wissenschaftler:innen ist es, ihnen fundiertes Wissen zu vermitteln, als Grundlage dafür, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Wo sehen Sie das größte Potenzial der Wissenschaft, zukünftig politische Prozesse zu beeinflussen?
Das ist schwer zu sagen, weil sich die Situation durch die weltpolitische Lage aktuell stark verändert. Wie es aussieht, werden amerikanische Forscher:innen, die immer eine große Rolle gespielt haben, zukünftig nicht mehr wie zuvor beteiligt sein. Das wird massive Auswirkungen haben. Andererseits glaube ich, dass die Welt an einem Punkt ist, wo in der Wirtschaft Entscheidungen zugunsten des Klimaschutzes getroffen werden – einfach, weil es günstiger ist.
Was macht Ihnen Hoffnung, wenn Sie auf die Verbindung zwischen Forschung und politischem Handeln blicken?
Vor allem, dass politische Akteur:innen das Problem begreifen, sich informieren, uns zuhören.
Transfermagazin der Universität Bremen
Dieser Artikel erschien erstmals 2025 im Transfermagazin der Universität Bremen, herausgegeben von UniTransfer – der Servicestelle für Transferaktivitäten. Das Magazin porträtiert Menschen, Projekte und Kooperationen, die zeigen, wie Forschung aus Bremen gesellschaftlich wirkt – weit über die Region hinaus. Transfermagazin als PDF downloaden [6,6 MB]