© Matej Meza / Universität Bremen
„Wir müssen den Energieverbrauch weiter senken“
Die neue Umwelt- und Klimaschutzmanagerin Eva-Maria Mendez Montilla über ihre Aufgaben und den Weg der Uni Bremen in Richtung Klimaneutralität
Seit dem Frühjahr 2025 hat die Universität eine neue Umwelt- und Klimaschutzmanagerin: Eva-Maria Mendez Montilla. Die Ingenieurin ist unter anderem Expertin für Umweltgutachten und Innovationsmanagement. Ihr Fokus liegt auf dem Ziel, die CO2-Emissionen der Universität weiter zu reduzieren, um dazu beizutragen, das Bremer Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2038 zu erreichen.
Frau Mendez Montilla, Sie sind jetzt als neue Umwelt- und Klimaschutzmanagerin seit dem Frühjahr 2025 im Amt. Wenn Sie auf die Universität blicken - wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Im Zentrum steht immer der Anspruch: Wir müssen den CO2-Ausstoß deutlich verringern. Das gilt nicht nur für die Universität, sondern die gesamte Gesellschaft. Doch um das tun zu können, müssen wir erstmal wissen: Wie viel CO2 setzen wir überhaupt frei? Und wo? Um das einschätzen zu können, wird eine Treibhausgasbilanz benötigt. Die erstellen wir aktuell als Teil eines Klimaschutzkonzepts. Mein Fokus als Umwelt- und Klimaschutzmanagerin der Universität liegt auf der Energieeffizienz und einem umfassenden Energiemonitoring. Das ist die Basis des Umweltmanagements.
Die Zahlen zu kennen, reicht ja aber nicht aus.
Nein, natürlich nicht. Sie sind nur der Anfang. Aber sie sind notwendig, um einschätzen zu können, wie erfolgreich wir sind. Die Universität Bremen hat ja bereits sehr viel im Bereich Umwelt- und Klimaschutz getan, zum Beispiel wurde sie im Frühjahr 2025 zum 22. Mal EMAS-zertifiziert. Das bedeutet, dass sie ein anspruchsvolles, extern überprüftes Umweltmanagementsystem betreibt und die Umweltleistung transparent verbessert. Sichtbarkeit ist dabei wichtig. Erst wenn ich die Zahlen und Daten kenne, kann ich besser werden.
Was genau heißt das?
Wir haben seit 2004 ein Umweltmanagementsystem an der Universität, das jährlich nach dem EMAS-System zertifiziert wird. Es kommt also jedes Jahr ein externer Umweltgutachter oder eine Gutachterin zu uns und prüft verschiedene Bereiche, etwa die Müllentsorgung, Labortrakte oder die Energiezentrale. Um erfolgreich zu sein, müssen alle Bereiche die umweltrelevanten Kriterien einhalten. Also Müll fachgerecht entsorgen oder Gefahrenstoffe korrekt kennzeichnen. EMAS ist die Abkürzung für Eco-Management and Audit Scheme und ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union für Umweltmanagement und deckt alle Anforderungen der DIN EN ISO 14001 ab. Nur wenn bei der Prüfung alles in Ordnung ist, wird das Zertifikat wieder erteilt. Andernfalls wird es entzogen.
Ist das der Universität Bremen schonmal passiert?
Nein, zum Glück nicht. Aber anderen schon. Darum ist es eine meiner wichtigsten Aufgaben zu garantieren, dass wir das Zertifikat behalten. Übrigens lässt sich das alles transparent nachlesen: Im Zuge der Zertifizierung veröffentlicht die Universität regelmäßig eine aktualisierte Umwelt- und Nachhaltigkeitserklärung.
Sie haben eingangs erwähnt, dass ein Klimaschutzkonzept für die Universität in Arbeit ist. Warum ist das notwendig?
Seit November 2023 ist Nachhaltigkeit auf Beschluss des Akademischen Senats im zentralen Leitbild der Universität verankert und im Februar 2025 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Damit rückt nachhaltiges und klimagerechtes Handeln in den Mittelpunkt. Um sinnvoll abbilden zu können, wo wir bereits gut sind und wo wir noch besser werden können, ist ein Klimaschutzkonzept notwendig.
Was beinhaltet ein Klimaschutzkonzept?
Ein Klimaschutzkonzept ist ein strategischer Plan, in dem festgelegt wird, wie die Universität ihre Treibhausgasemissionen reduzieren und Klimaschutzmaßnahmen wirksam umsetzen kann. Dazu gehören eine Bestandsaufnahme mit Treibhausgasbilanz, eine Zielsetzung, konkrete Maßnahmen ein Zeitplan und ein Controlling zur regelmäßigen Überprüfung der erreichten Zielvorgaben. Dabei geht es um die eigenen CO2-Emissionen genauso wie die der Zulieferer, wenn wir zum Beispiel Waren bestellen. Betrachtet werden auch die Arbeitswege der Angestellten oder die Wege der Studierenden. Öffentlichkeitsarbeit ist dabei immer eine wichtige Komponente, um breite Unterstützung und Akzeptanz zu erreichen.
Wieviel CO2 emittiert die Universität?
Das Konzept ist noch nicht fertig, darum kann ich es nicht genau sagen. Aber ich kann Ihnen verraten, wieviel Strom wir verbrauchen: Pro Jahr rund 40 Gigawattstunden. Das ist so viel wie eine Kleinstadt.
Das ist eine Menge.
Ja – und genau dieser hohe Verbrauch zeigt, wie entscheidend ein effizientes Energiecontrolling ist. Denn es lohnt sich ja auch finanziell. Es ist eine win-win-Situation. Wenn wir sehen, wo wir Maßnahmen ergreifen können, um Strom einzusparen, sparen wir Geld und CO2.
Sie haben ja gerade erst vor knapp einem Jahr die Aufgabe als Umwelt- und Klimaschutzmanagerin übernommen. Was ist ihre Vision für die nächsten Jahre?
Am Ende hängt alles an der CO2-Reduktion. Wir sehen die Gletscher schmelzen, wir merken durch Dürren, Waldbrände und Starkregen, wie sich das Klima auch bei uns in Deutschland verändert. Darum müssen wir das CO2 runterbringen und das Bremer Ziel, bis 2038 klimaneutral zu sein, einhalten. Mein Fokus liegt auf dem Energieverbrauch. Ich komme immer wieder zurück an diesen Punkt: Wir müssen mit den Verbräuchen runter. Die Universität Bremen ist unter anderem dank meiner Vorgängerin Doris Sövegjarto-Wigbers bereits weit gekommen. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen.
Weitere Informationen
Mehr zur EMAS-Zertifizierung und dem Umweltmanagement-Preis gibt es auf der Webseite des Bundesumweltministeriums.