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Ausgezeichnete Nachhaltigkeit

Julian Engel und Dr. Georg Pesch haben eins gemeinsam: Sie engagieren sich für eine nachhaltige Zukunft. Engel macht das als Meeresbiologe und Pesch als Ingenieur. Dafür wurden sie dieses Jahr ausgezeichnet.

Die beiden Absolventen der Universität Bremen haben vor kurzem den „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ erhalten. Eigentlich erfolgt die Preisübergabe im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung auf dem Campus. Doch wegen Corona musste diese ausfallen. Deshalb wollen wir die beiden Preisträger hier nochmal würdigen und euch ihre spannenden Forschungen vorstellen. Wer auch jemanden für diese Auszeichnung vorschlagen möchte: Nur zu, die nächste Ausschreibungsrunde startet wieder zum Wintersemester.

Julian Engel hat seine Masterarbeit im Rahmen des gemeinsamen Studiengangs „International Studies of Aquatic Tropical Ecosystems (ISATEC)“ des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und der Universität Bremen geschrieben. Am Anfang seiner Überlegungen stand ein Fisch: Der pelagische Fuchs- oder Drescherhai lebt in Tiefen, in die der Mensch nur selten vordringt. In der Nähe der Insel Malapascua auf den Philippinen können Taucherinnen und Taucher ihn jedoch an sogenannten „Putzerstationen“ beobachten, wo kleine Meerestiere den Hai von Parasiten befreien.

Als Top-Jäger spielt der Fuchshai eine bedeutende Rolle in dem dortigen Ökosystem, doch die Tiere sind zunehmend bedroht. Durch zerstörerische Fischereipraktiken und Überfischung verringern sich die Bestände des Fuchshais und anderer Fischarten. Der übliche Tourismus überschreitet bereits heute Kapazitätsgrenzen beobachtet Engel. „Für die Menschen vor Ort sollte es deshalb alternative Verdienstmöglichkeiten geben, verbunden mit einer Entwicklung zum Öko-Tourismus, der die verschiedenen Interessen vom Fischer bis zum Tauchanbieter berücksichtigt“, meint er.

Portrait Engel
„Wir brauchen interdisziplinäre Ansätze, um Ziele in der Nachhaltigkeit zu erreichen“, sagt der Meeresbiologe Julian Engel.
©Kellner-Stoll

In seiner Masterarbeit am ZMT ging er der Frage nach, wie man diese Symbiose auf der Insel Malapascua fördern kann. In seinen Interviews stand für den 30-Jährigen stets der Dialog mit allen Beteiligten im Vordergrund. Nach Abschluss seiner Forschung kehrte Engel auf die Insel zurück, um Fischern und Verantwortlichen in der Verwaltung seine Ergebnisse zu erläutern. Der Einsatz fiel auf fruchtbaren Boden: Nicht zuletzt auf Engels Anregung hin diskutierten die verschiedenen Akteurinnen und Akteure, ein Meeresschutzgebiet rund um Chocolate Island im Südwesten von Malapascua einzurichten – ein Vorhaben, das dann von der Organisation „People and the Sea“ weiterverfolgt wurde. Teile des Preisgeldes von Julian Engel gehen jetzt auf die Insel zurück, um die Einheimischen zu unterstützen, deren touristische Aktivitäten von der Corona-Krise betroffen sind.

„Ich verbinde mit der Auszeichnung und meiner Arbeit vor allem, dass wir interdisziplinäre Ansätze brauchen, um Ziele in der Nachhaltigkeit zu erreichen“, sagt der Meeresforscher. „Wir müssen lernen, einander mehr zuzuhören und mit Verständnis und Zuneigung aufeinander zuzugehen, um voneinander zu lernen.“ Inzwischen arbeitet Engel für die Meeresschutzorganisation OceanMind in England und setzt sich für nachhaltige Fischerei ein.

Besseres Recycling für Edelmetalle

Mit einem Thema aus der Verfahrenstechnik hat sich der Preisträger Dr. Georg Pesch in seiner Dissertation beschäftigt. Worum geht es genau? Die Sortierung und Selektion sehr kleiner Partikel nach Form, Material oder Größe aus größeren Materialmengen ist bislang eine Aufgabe, die nicht gelöst ist und gravierende Folgen für die Umwelt hat. Sie wirkt sich zum Beispiel negativ auf die vollständige Rückgewinnung von Edelmetallen aus Elektroschrott aus. Das betrifft auch die Gewinnung von beispielsweise Gold aus wertstoffhaltigem Schlamm oder Staub. Dies ist ökologisch bedenklich, wenn man die Ressourcenknappheit und den Aufwand bedenkt, der teilweise mit giftigen Zusatzstoffen wie Quecksilber betrieben wird, um die Edelmetalle zu gewinnen.

Portrait Pesch
Bild aus dem Corona bedingten Homeoffice: Der Preisträger Georg Pesch ist überzeugt, dass Verfahrenstechnikingenieure das beste Handwerk mitbekommen, um die Welt nachhaltiger zu gestalten.
©Privat

Ein neuartiges Verfahren ist die sogenannte dielektrophoretische Filtration. Sie ermöglicht eine Sortierung von Mikropartikeln. Dabei basiert sie auf der Wirkung eines elektrischen Feldes, in dem die Partikel polarisiert werden. Der Ingenieur Pesch beschreibt diesen Prozess in seiner Doktorarbeit und verdeutlicht die Wirksamkeit. Seine Arbeitsergebnisse ermöglichen die Konstruktion einer völlig neuen Trennapparatur. Sie könnte eine Vielzahl von bisher ungelösten, umweltrelevanten Aufgaben erfüllen, um Mikropartikel zu separieren. Mehrere Unternehmen sind daran interessiert, diese Technologie praktisch zu erproben. Zurzeit wird an einer größeren Demonstrationsanlage gearbeitet. Wenn alles klappt, kann die Arbeit von Pesch einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz und zur verbesserten Ressourcennutzung geleistet werden. Für Georg Pesch kam die Auszeichnung überraschend. „Bereits seit meinem Bachelorabschluss bin ich der Überzeugung, dass wir Verfahrenstechnikingenieure das beste Handwerk mitbekommen, um die Welt nachhaltiger zu gestalten. Das sollte aber noch konsequenter gelehrt werden. Die Auszeichnung meiner Dissertation hat damit auch eine tolle Signalwirkung.“

Weitere Informationen:

Campuspreis

Stiftung für Klima und Umwelt

Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Verein Alumni der Universität Bremen

Über den CAMPUS PREIS

Der CAMPUS PREIS zeichnet herausragende, auf dem Campus der Universität Bremen erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und der Meere widmen. Die Auszeichnung wurde 2016 ins Leben gerufen und wird einmal im Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), der Universität Bremen und dem Verein Alumni der Universität Bremen ausgelobt. Sie ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Die Bremer Unternehmen ADLER Solar, REETEC und ecolo – Agentur für Ökologie und Kommunikation unterstützen den CAMPUS PREIS als Sponsorinnen und Sponsoren.

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