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Plädoyer für frische FinTech-Lösungen

Wird es die traditionelle Bank künftig noch geben?

„Wir müssen uns bemühen, ganz vorn dabei zu sein, sonst überlassen wir das Feld amerikanischen oder chinesischen Anbietern.“ Das ist der Appell von Lars Hornuf, Bremer Professor für Betriebswirtschaft und FinTech-Experte. Hinter FinTech verbirgt sich das Kofferwort für „financial technology“. Spricht man mit Professor Hornuf, so wird rasch klar, dass in diesem von Startup-Unternehmen beherrschten Bereich der Finanzdienstleistungen die Zukunft liegt.

Die klassische Frage lautet doch: Wird es die traditionelle Bank künftig noch geben? „Als juristische Institution sicher“, sagt der Experte, „aber Filialen mit direkter physischer Kundenbindung werden nur noch in geringem Ausmaß gebraucht.“ Bankgeschäfte, Kapitalanlagen, Aktien, Kredite, all diese Dienstleistungen werden in Zukunft übers Smartphone geregelt, ist er sich sicher. So wie aktuell bereits Bezahlvorgänge an Kassen von mehr und mehr Nutzern mit einer App abgewickelt werden. Professor Hornuf selbst gehört auch zu den Anwendern dieser Technologie. Angesichts der Corona-Krise weist er darauf hin, wie viele Keime sich auf Geldscheinen und Münzen festhaken können. Da sei das kontaktlose und bargeldlose Bezahlen doch wesentlich hygienischer.

Schlanke Kostenstruktur, neuartige Dienstleistungen

In einem Artikel im Magazin „Frontiers of Artificial Intelligence“ hat Lars Hornuf gemeinsam mit Barbara Brandl von der Goethe Universität Frankfurt die Beziehungen zwischen klassischen Banken und dem neuen, sich ausweitenden Sektor digitaler Finanzierungs- und Investitionslösungen untersucht. „FinTechs haben nicht nur eine schlanke Kostenstruktur, sondern bieten ihren Kunden auch neuartige Dienstleistungen an“, sagt er und nennt als Beispiel Peer-to-Peer-Kredite. Das sind Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen ohne die Vermittlung einer Bank. Im Gegensatz zu diesen frischen FinTech-Lösungen seien die Banken auf eine historische und teure Infrastruktur angewiesen.

Rendite mit dem Robo Advisor

Noch einmal eine Illustration aus Kundensicht: Was passiert, wenn ein Konto eröffnet werden soll? „Man lädt ein Formular aus dem Internet herunter, füllt es aus, schickt es mit der Post zurück und zeigt dem Postbeamten vorab seinen Personalausweis“, beschreibt Hornuf die einzelnen Etappen. Dann müsse man warten. Bei einem FinTech-Unternehmen zeige man über ein Online-Identifikationsverfahren seinen Personalausweis und das Konto sei augenblicklich eröffnet. Nun gab es ja aber schon kritische Stimmen zu den Startups in der Finanzbranche. Wer das Internet öffnet, stößt auf Hinweise wie: „Sie wurden von ihrem Broker betrogen, wir fordern ihr Geld zurück.“ Nicht alle Unternehmen versuchten zu betrügen, sondern manche hätten einfach ein schlechtes Geschäftsmodell, sagt der Bremer Experte. Von den unzähligen Gründungen der FinTechs seit den 2000er Jahren seien einige sehr erfolgreich. Dazu zählten zum Beispiel die mobile Bank N26, bei der Bankgeschäfte nur über das Mobiltelefon abgewickelt werden, oder der Robo Adviser Scalable Capital. Ein Robo Adviser ist ein Algorithmen-basiertes System, das automatische Empfehlungen zur Vermögensanlage gibt und diese auch umsetzen kann.

Bei Aktientalfahrt umschichten

Betriebswirtschaftler Hornuf erläutert es anhand der aktuellen Börsenkrise, bei der Dax, Dow Jones und Aktien auf Talfahrt sind. „Der Algorithmus stellt selbständig ein effizientes Portfolio zusammen, bei dem es darum geht, zukünftige Renditen mit dem niedrigsten Risiko zu erreichen“, sagt er. Was würde ein solcher Algorithmus also aktuell tun? „Umschichten, aus Aktien rausgehen, mehr Anleihen aufnehmen“, sagt der Professor für Betriebswirtschaftslehre.

Beständiger Wandel

Lob zollt er der Sparkasse Bremen, die mit einer Bilanzsumme von 11,5 Milliarden Euro zu den größten deutschen Sparkassen gehört. „Digitalisierungsprozesse werden in dem regionalen Unternehmen vorangetrieben“, sagt Hornuf. So habe die Sparkasse ein Tochterunternehmen für KI-basierte Investment-Beratung gegründet. Mit dem Robo Advisor solle vor allem die junge Generation der sogenannten Digital Natives angesprochen werden. Also jene Generation, die mit Computer und Smartphone aufgewachsen ist. Der Bremer Wissenschaftler freut sich, dass die Bank auch zum Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Kontakt aufgenommen hat und Kooperationen plant. „Nichts ist so beständig wie der Wandel“, zitiert Professor Lars Hornuf am Ende Heraklit.

Weitere Informationen

Fachartikel in der Publikation “Frontiers of Artificial Intelligeance”

Interview mit Lars Hornuf im rbb als Audiodatei

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