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50 Jahre Uni Bremen: Die Bürgerschaft wird zur Bühne

Szenische Lesung zur Gründung der Universität in der Bremischen Bürgerschaft am 11. Oktober 2021

Von der ersten Idee vergingen 25 Jahre, bis Bremen 1971 schließlich zur Universitätsstadt wurde. Zum Jubiläum zeichnet das Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“ der Universität und der bremer shakespeare company diesen langen Weg auf ungewöhnliche Weise nach. Gemeinsam mit Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft machen Schauspielerinnen und Schauspieler den Plenarsaal zur Bühne für Geschichte und lesen aus Schlüsseldokumenten der langen Gründungsphase der Uni vor. Premiere ist am 11. Oktober 2021 um 19 Uhr.

Der Weg zur Eröffnung der Universität Bremen am 14. Oktober 1971 begann früh. Schon kurz nach Ende des 2. Weltkrieges brachte der Finanzsenator Wilhelm Nolting-Hauff 1946 die Idee einer Internationalen Universität ins Spiel: „Ich habe bereits bei Zusammentritt des nach der Besetzung neu ernannten Senats die Auffassung geäußert, dass wir trotz der großen Notlage auf allen Gebieten und trotz der dem ersten Anschein nach fast unüberwindlichen Schwierigkeiten in Bremen eine Universität gründen sollten. […] Wir können die uns verloren gegangenen materiellen Werte nur durch geistige Werte zu ersetzen versuchen.“

„Die neue Universität sollte auch der Völkerverständigung dienen“

„Diese Gründungsidee stand noch ganz unter dem Eindruck des Krieges“, sagt die Projektleiterin Dr. Eva Schöck-Quinteros vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen. „Die neue Universität sollte der Völkerverständigung und Völkerversöhnung dienen und ständig eine große Zahl von ausländischen Studierenden beherbergen, die nach dem College-Prinzip auch auf dem Campus wohnen.“ So jedenfalls sagt es das 1948 vom Bremer Senat verabschiedete Gesetz „über die Errichtung einer Internationalen Universität in Bremen“. Letztlich scheiterte die Gründung – vorerst – wegen mangelnder finanzieller Mittel und an der Frage des Ortes. Denn das dafür vorgesehene Kasernengelände in Bremen-Grohn stand nicht wie erwartet zur Verfügung.

Langer Gründungsweg wird im Theaterprojekt erlebbar

Zahlreiche Dokumente – Gesetzestexte, Zeitungsartikel, Redemanuskripte und vieles mehr – belegen den spannenden Weg der Universität von 1946 bis 1971, auf dem sich auch die Idee selbst veränderte: von einer Internationalen Universität in der Nachkriegszeit über eine Campus-Universität mit traditionellem Fächerkanon bis zur Reform-Universität nach dem „Bremer Modell“.

Im Rahmen des Theaterprojekts „Aus den Akten auf die Bühne“ wird dieser Weg im politischen Herzen der Hansestadt – der Bremer Bürgerschaft – sichtbar und erlebbar. In Zusammenarbeit mit der bremer shakespeare company veranstaltet die Universität Bremen am Montag, 11. Oktober 2021, eine szenische Lesung: Schauspielerinnen und Schauspieler der bremer shakespeare company tragen gemeinsam mit Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft historische Quellen vor. Neben Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) und Vizepräsidentin Antje Grotheer (SPD) werden Robert Bücking (Grüne), Klaus-Rainer Rupp (Linke) und Magnus Buhlert (FPD) teilnehmen. Zwei Tage später, am Mittwoch, 13. Oktober, 19.30, findet eine weitere Aufführung im Theater am Leibnizplatz statt.

Im Haus der Wissenschaft las Schauspieler Peter Lüchinger auch die legendäre Rede vom 11.11.1968 vor. An diesem Tag legten Studierende und Bremer Schülerinnen und Schüler einen symbolischen Grundstein für die „Marx & Moritz-Universität“ ins Blockland.
© Leonhard Kull

Einen ersten Vorgeschmack konnten die Bremerinnen und Bremer bereits am vergangenen Samstag im Haus der Wissenschaft bekommen. Projektleiterin Eva Schöck-Quinteros und Sigrid Dauks vom Universitätsarchiv erläuterten anhand von historischen Dokumenten und Fotos zwei Schlüsselphasen der Universitätsentwicklung: die Anfänge in den späten 40er Jahren und die „Zielgerade“ in den späten 60er Jahren. Schauspieler Peter Lüchinger von der bremer shakespeare company las wichtige Texte und Redebeiträge vor. Darunter war auch die legendäre Rede vom 11.11.1968. An diesem Tag legten Studierende und Bremer Schülerinnen und Schüler einen symbolischen Grundstein für die „Marx & Moritz-Universität“ ins Blockland, um ihren Vorstellungen von der neuen Uni Nachdruck zu verleihen. Da die Rede in Teilen auf Latein gehalten wurde, lieferte Peter Lüchinger natürlich auch gleich die deutsche Übersetzung mit.

Termine

Montag, 11. Oktober 2021, Premiere 19 Uhr, Haus der Bürgerschaft

Mittwoch, 13. Oktober 2021, 19.30 Uhr, Theater am Leibnizplatz

Karten sind bei der bremer shakespeare company erhältlich:

Ticketverkauf Shakespeare Company

Über das Projekt:

„Aus den Akten auf die Bühne“ ist ein seit 2007 geschichtswissenschaftliches Theaterprojekt der Universität Bremen unter der Leitung von Dr. Eva Schöck-Quinteros und der bremer shakespeare company (bsc). Das Konzept: Studierende der Geschichtswissenschaft recherchieren Quellen aus verschiedenen Archiven, die bremer shakespeare company übernimmt die Textbearbeitung für die szenische Lesung und die Schauspielerinnen und Schauspieler bringen sie auf der Bühne zum Sprechen. Die aktuelle Lesung über die Gründung der Universität fand in enger Zusammenarbeit mit Sigrid Dauks vom Universitätsarchiv statt.

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