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Die Rettung für Verlierer

QR-Codes, App und Webseite: Ein Uni-Absolvent und seine Freunde machen aus einer pfiffigen Idee ein Geschäft

Verdammt! Der Schlüsselbund ist weg. Beim Fahrradfahren aus der Jackentasche gefallen, beim Festival unbemerkt mit dem Handy aus der Hose gezogen, irgendwo aus Versehen liegengelassen. Was jemand verliert, wird meistens von anderen gefunden. Dass beide Seiten unkompliziert und direkt zueinander finden, gab es bislang nicht. Aber jetzt — dank Patavinus. Der Bremer Uni-Absolvent Marc Gerken hat unter diesem Namen zusammen mit Freunden die rettende Idee für solche Fälle umgesetzt.

Dinge zu verlieren ist leicht, Verlorenes zurückbekommen viel schwerer. „Schlüsselbunde beispielsweise gibt man meistens dort ab, wo man sie gefunden hat — etwa in der Kneipe oder im Café. Oder man bringt sie zur Polizei. Manche haben aber nicht mal dazu Lust“, sagt Marc Gerken. Bis sie zur Besitzerin oder zum Besitzer zurückfinden, ist es ein langer Weg: Fundamt, „Lost and Found“-Webseiten, womöglich sogar die Suche per Aushang oder Zeitungsanzeigen sollen Schlüsselbund, Handy oder was auch immer zurückbringen. Der Ausgang ist offen.

So ging es auch Moritz Armbrust. Er war mit Marc Gerken im Viertel unterwegs und verlor seinen Schlüsselbund. Was für ihn damals ärgerlich war, ist heute vielleicht sein Glück — denn dadurch entstand die Idee für Patavinus, die „Lost and Found“-Anwendung samt Anhängern und Aufklebern für Verlorenes. Denn die Frage, die sich Armbrust und Gerken stellten: „Warum kann jemand, der den Schlüsselbund jetzt findet, nicht direkt mit mir in Kontakt treten?“

Marc Gerken
Uni-Absolvent mit einer zündenden Idee: Informatiker Marc Gerken gründete mit weiteren Mitstreitern das Startup Patavinus.
© Patavinus

Ein Fall für den Informatiker Marc Gerken. Der Master-Absolvent der Universität Bremen und sein Freund machten sich sofort Gedanken, dann wurde programmiert: „Wir haben mit einer rudimentären App und Webseite angefangen und dann auf der Breminale 2018 einfache QR-Codes mit Plastiküberzug ‚verloren‘. Wir wollten sehen, ob unser Einfall funktioniert. Das tat er — rund 70 Prozent kamen zurück“, sagt Gerken, der heute hauptberuflich für eine IT-Firma in Hamburg arbeitet.

QR-Code scannen — schon steht der Kontakt

Die Idee: Durch das Scannen des Codes mit dem Smartphone öffnet sich ein Dialog auf der Webseite oder mittlerweile auch in der App, die aber nicht zwingend installiert sein muss. Finderin oder Finder können dann direkt und ohne Umwege mit der oder dem Suchenden in Kontakt treten. Als Name für ihr Projekt wählten die beiden Patavinus — nach Antonius Patavinus, dem Schutzpatron der verlorenen Sachen der katholischen Kirche. Nutzerdaten bekommt man nicht: „Wir stellen nur die Plattform zur Verfügung“, sagt Gerken, „und jetzt natürlich auch die Anhänger oder Aufkleber mit den entsprechenden Codes.“

Patavinus
Die Lösung für „Verlierer“: Einfach den Patavinus-Code eingescannt, und schon wird eine Verbindung zum Besitzer oder zur Besitzerin hergestellt.
© Patavinus

Bis dahin war es aber noch ein Stück Weg. Zunächst stießen zwei weitere Spezialisten aus Nürnberg zum Team. Sie steuern das attraktive Design und die Öffentlichkeitsarbeit bei. Ein weiterer, noch konkreterer Test verlief ebenfalls äußerst positiv. Schließlich wurde die Patavinus UG gegründet, ein Shop eingerichtet, und los ging’s. Mit Erfolg: Mittlerweile zählt die Patavinus-Community rund 2.000 Nutzerinnen und Nutzer, Tendenz steigend.

Patavinus ist Teamwork – unter anderem mit (von links) dem Bremer Uni-Absolventen Marc Gerken sowie Sebastian Mildenberger, Moritz Armbrust und Steffen Kirschner.
© Patavinus

Mit den QR-Codes von Patavinus kann man nicht nur die Dinge versehen, die „klassisch“ verloren gehen. Die Anhänger können auch an Halsbändern von Tieren, an Rucksäcken und Aktentaschen und vielem mehr angebracht werden, ebenso die Aufkleber. Zum Testen oder um sich einen QR-Code ins Reisegepäck oder den Rucksack zu legen, gibt es sogar die Möglichkeit, einen Code kostenlos auszudrucken.

2. Platz bei den „Campusideen“

Die Idee kommt gut an: Bei den „CAMPUS iDEEN 2019“ — dem Start-Up-Wettbewerb der Hochschul-Gründungsinitiative BRIDGE, an der auch die Universität Bremen beteiligt ist — belegte Patavinus bei den Geschäftsideen den 2. Platz. Förderung kommt auch vom Telekom-Programm TechBoost Grow. Es unterstützt junge Unternehmen, die bereits erste Kundinnen und Kunden haben und sich in der Wachstumsphase befinden. Für die weitere Expansion hoffen die Patavinus-Macher jetzt auf große Unternehmen, die die Anhänger ihren Kunden als Service zur Verfügung stellen: Die Kosten sind klein, Effekt und Nutzen groß.

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