© Jasper Wessel
Gemeinsam Wissen schaffen
Julia Gantenberg über partizipative Forschung
Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch: Wenn gesellschaftliche Akteur:innen in Forschung einbezogen werden, wird sie alltagsnäher, relevanter und nahbarer – und das Verständnis für wissenschaftliche Grundsätze und Methoden wächst. Aus diesem Grund gibt es im Referat UniTransfer mit Julia Gantenberg eine eigene Ansprechperson für Partizipation und Public Engagement. Im Gespräch mit up2date. berichtet sie von ihren Aufgaben, wie vielfältig die Universität in dem Bereich schon aufgestellt ist, und warum Bremen besonders gute Voraussetzungen für Partizipation bietet.
Frau Gantenberg, wo können sich an der Uni Bremen bereits Freiwillige an Forschung beteiligen?
Da könnte ich lange erzählen, denn es gibt schon die unterschiedlichsten Angebote und Formate. Das Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft zum Beispiel betreibt die ForschungswerkStadt Bremen-Gröpelingen. Hier geht es um Forschung, nicht über, sondern mit den Menschen die sie betrifft, zum Beispiel in Erzählcafés und Stadtteilwerkstätten. Oder denken Sie an das Projekt BlueDOT am MARUM, in dem Hobby- und Berufstaucher:innen bei der systematischen Datenerfassung im Mittelmeer unterstützen, um den Temperaturanstieg und das Auftreten mariner Hitzewellen zu erforschen. Eine besonders lange Tradition hat Citizen Science in den Geowissenschaften. Die Geowissenschaftliche Sammlung unter der Leitung von Professor Jens Lehmann arbeitet schon seit Jahrzehnten mit Forschungsinteressierten zusammen. Diese wenigen Beispiele zeigen schon, dass Partizipation und Public Engagement in den unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten möglich und sinnvoll sind.
Was ist Ihre Aufgabe in dem Bereich?
Ich berate zu diesem Thema Forschende, Transferbeauftrage und Kommunikator:innen aus den Fachbereichen und Wissenschaftsschwerpunkten. Manche sind neugierig und suchen nach geeigneten Ideen, Konzepten und Formaten. Hier überlegen wir gemeinsam, welche zivilgesellschaftlichen Akteur:innen eingebunden werden könnten und auf welche Art es sinnvoll wäre. Da gibt es eine große Bandbreite: Partizipation kann zum Beispiel bedeuten, dass diese Akteur:innen Forschungsdaten erheben – aber eben auch, dass sie in Podiumsdiskussionen mit auf der Bühne sitzen. Ein wichtiger Ort für den Transfer in Bremen ist auch die Kassenhalle im Forum am Domshof in der Innenstadt, wo unterschiedliche Formate wie öffentliche Vorträge, Workshops und Ausstellungen möglich sind. Hier schaue ich im Kontakt mit den Forschenden, was sich eignen würde und wie sie ihre Veranstaltung möglichst partizipativ gestalten können. Außerdem unterstütze ich dabei, geeignete Qualifizierungsangebote zu finden, zum Beispiel zum Thema Evaluation oder zu ethischen und rechtlichen Fragestellungen.
Mittlerweile haben auch Fördermittelgeber wie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt oder die VolkswagenStiftung das Potenzial von Partizipation und Public Engagement erkannt und bieten entsprechende Förderlinien an. Auch zu solchen Ausschreibungen berate ich, ebenso helfe ich bei der Suche nach Partnern außerhalb der Universität wie Unternehmen, Organisationen oder Vereinen.
In diesem ganzen Prozess, von der Ideenfindung über die Antragsstellung bis zum konkreten Projekt, ist es sinnvoll, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Deshalb organisiere ich Formate, um Interessierte und Aktive in dem Bereich zusammenzubringen.
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Was für Formate sind das genau?
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt PEERForm. PEERForm wird von der Plattform „mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen“ (einem Projekt von „Wissenschaft im Dialog“ und dem Museum für Naturkunde Berlin) gefördert. Hier geht es darum, ein Netzwerk von Forschenden an der Universität Bremen aufzubauen, die an Partizipation und Public Engagement interessiert sind oder schon eigene Projekte oder Lehrveranstaltungen umgesetzt haben. Im April haben wir hierzu einen Auftaktworkshop, in dem gemeinsam erarbeiten, wie das Netzwerk konkret aussehen soll, in welchen Formen Peer-to-peer-Beratung unter Forschenden und regelmäßige Treffen stattfinden können. Ziel ist es, Personen und Aktivitäten in diesem Bereich sichtbar zu machen – auch um noch mehr Forschende zu partizipativer Forschung zu ermuntern.
Was sind die Besonderheiten von Partizipation und Public Engagement in Bremen?
Die Uni Bremen hat schon seit ihrer Gründung einen engen Kontakt zur Stadtgesellschaft gesucht, das Bewusstsein für Partizipation ist hier also besonders hoch. Das merkt man nicht zuletzt an den vielen Forschenden, die in diesem Bereich aktiv sind oder sich hierfür interessieren. Bremen als Stadtstaat bietet aber auch besonders gute Voraussetzungen hierfür. Es ist ein Bundesland der kurzen Wege. Man kennt die Vereine, die Unternehmen, die Politik, es sind schon enge Verbindungen da. Das sind ideale Voraussetzungen, um Partizipation und Public Engagement noch mehr zu stärken und auszubauen.