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„Die Arktis ist faszinierend“

Akademischer Mittelbau im Fokus: Dr. Matthias Buschmann aus dem Institut für Umweltphysik (IUP)

Als Klimaforscher zu arbeiten und dabei vor allem die Arktis im Blick zu haben, hat Dr. Matthias Buschmann schon immer fasziniert. An der Universität Bremen hat er seinen Traum verwirklicht. Seit neun Jahren arbeitet der Diplom-Physiker schon für das Institut für Umweltphysik. Nun baut er eine eigene Nachwuchsgruppe auf.

„Die Arktis ist faszinierend, einfach toll!“ sagt Matthias Buschmann. Nachdem der Diplom-Physiker im Rahmen seines Studiums an der Universität Marburg ein Auslandsjahr an der Universität Tromsø in Norwegen verbracht hatte, war es um ihn geschehen: Insbesondere die Arktis hatten ihn in seinen Bann gezogen. „Meine Schwerpunkte waren zwar zunächst Oberflächen- und Festkörperphysik. Aber auch die Umweltphysik und Klimageographie haben mich schon immer interessiert.“

Stellenanzeige der Uni Bremen entdeckt

Wenn man sich als junger Wissenschaftler für etwas besonders interessiert, sucht man natürlich Anknüpfungspunkte. Auf einer Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft hörte sich Buschmann viele Vorträge aus der Umweltphysik an. Erstmals wurde er dort auf die Klimaforscherinnen und -forscher der Universität Bremen und des Alfred Wegener Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven aufmerksam. Kurz darauf entdeckte er eine Stellenanzeige für eine Doktoranden-Stelle an der Universität Bremen, in der es um die Fourier-Transform-Infrarot (FTIR)-Spektroskopie ging. „Spektroskopische Methoden kannte ich schon“, schmunzelt der 36-jährige heute. „In Bremen messen wir damit unter anderem CO2 und Methan in der Atmosphäre.“

Die Arbeitsgruppe von Professor Justus Notholt, in der er seit seiner Promotion in Bremen mitarbeitet, war ihm sympathisch – „und das Institut für Umweltphysik und sein Ansatz sind sowieso super.“ Im Oktober 2011 fing er auf seiner Doktorandenstelle an. Inhaltlich ging es darum, mit dem Spektrometer die Zusammensetzung klimarelevanter Gase in der Atmosphäre untersuchen. „Die Krönung dabei war natürlich, dass ich in der Polarnacht auf Spitzbergen die Kohlenstoffdioxid- und Methankonzentration in der Atmosphäre messen konnte. Normalerweise geschieht dies mit der Hilfe von direktem Sonnenlicht – ich habe es mit Mondlicht in der Polarnacht gemacht.“

Beeindruckendes Panorama: Der Forschungsaufenthalt auf Spitzbergen war für Matthias Buschmann einer der Höhepunkt seiner bisherigen Wissenschaftler-Karriere.
© Matthias Buschmann / Universität Bremen

Ziemlich ruhig auf Spitzbergen

Mit Erfolg: Seine experimentelle Doktorarbeit wurde mit „summa cum laude“ – der bestmöglichen Note – bewertet. Noch heute schwärmt der Physiker von der Zeit am Spitzbergener Wissenschaftsstandort Ny-Ålesund. Hier im Polarmeer treffen sich Klimaforscherinnen und Klimaforscher aus der ganzen Welt. „Im Sommer ist es dort richtig voll, im Winter sind aber nur eine Handvoll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler da“, sagt er. „Als ich vor Ort war, war es nicht nur dunkel, sondern auch sehr ruhig.“

„Als ich auf Spitzbergen war, war es nicht nur dunkel, sondern auch sehr ruhig.“

Wie es bei Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern oft der Fall ist, arbeitete Matthias Buschmann in den vergangenen Jahren in diversen Projekten mit, finanziert von der EU, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und anderen Drittmittelgebern. Und natürlich ist er auch in der Lehre präsent: „Da gibt es die große und kleine Lehre“, erklärt er. „Promovierende übernehmen oft die kleine Lehre, leiten also Übungsgruppen an.“

Studierenden die Angst vor der Physik nehmen

Die Arbeit mit Studierenden macht ihm Spaß. „Im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften ist die Physik sehr verschult. Jede Physikerin und jeder Physiker hören zum Beispiel die Grundvorlesungen in Experimental- und Theoretischer Physik.“ Gerade bei Erstsemestern habe man es mit sehr verschiedenen Hintergründen und unterschiedlichem Vorwissen zu tun. „Physik ist ein schwieriges Fach. Man muss sich erst mal dran gewöhnen, um es zu verstehen. Da geht es zu Anfang immer auch darum, Studierenden Ängste und Unsicherheiten zu nehmen.“

In der Arbeitsgruppe am IUP arbeitet Matthias Buschmann an der Fernerkundung atmosphärischer Spurengase in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Anfang 2020 machte er einen weiteren Karriereschritt: Er bekam eine Stelle als Nachwuchsgruppenleiter. „Das ist einer Juniorprofessur ähnlich, aber ohne Tenure Track, also ohne das Versprechen auf eine spätere Professur“, erläutert Buschmann. Die Nachwuchsgruppe ist eng verknüpft mit der erfolgreichen Finanzierung des Sonderforschungsbereichs Transregio 172 „Arktische Verstärkung (AC)³“, an dem das Institut für Umweltphysik seit 2016 beteiligt ist.

Für eine Professur braucht es Können, Glück und Zufall

Eine spätere Professur kann sich Matthias Buschmann natürlich auch vorstellen, bleibt aber realistisch. Für eine erfolgreiche Wissenschaftskarriere sei letztlich nicht nur Können notwendig, sondern auch Glück und Zufall. Auch dass er nun eine eigene Nachwuchsgruppe führt, habe sich aus der Entwicklung ergeben: „Im ersten Förderzeitraum des Transregio-SFB habe ich neben der Arbeit an Spurengasen in der Arktis auch noch das Datenmanagement-Projekt des SFB betreut. Als der SFB dann verlängert wurde, ergab sich die zusätzlich die Möglichkeit zum Nachwuchsgruppenleiter.“

„Für eine erfolgreiche Wissenschaftskarriere ist nicht nur Können notwendig, sondern auch Glück und Zufall.“

Forschung in der Polarnacht: In der Station auf Spitzbergen konnte Matthias Buschmann die Kohlenstoffdioxid- und Methankonzentration in der Atmosphäre für seine Doktorarbeit messen.
© Matthias Buschmann / Universität Bremen

Seine Gruppe forscht zu einem Teilbereich der „arktischen Verstärkung“. Damit ist die Tatsache gemeint, dass sich die Arktis stärker als der Rest der Welt erwärmt. „Dass das so ist, wissen wir. Aber warum es so ist – da sind noch viele Fragen offen.“ Die Aufgabe von ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen ist es nun, mithilfe der eingangs erwähnten FTIR-Spektroskopie herauszufinden, welche Rolle die Spurengase bei dieser Verstärkung haben.

Mit einer gewissen Unsicherheit müssen Wimis leben

Dass das Leben als wissenschaftlicher Mitarbeiter nicht immer leicht ist, weiß Matthias Buschmann. „Ich selbst bin in einer privilegierten Position. Aber auch ich habe schon mal den Fall gehabt, dass ich bei einer zum Jahresende auslaufenden Stelle erst kurz vor Weihnachten den Anschlussvertrag für das nächste Jahr unterschreiben konnte.“ Mit einer gewissen Unsicherheit müsse man als Wimi leider leben. „Natürlich sind die unsicheren Zukunftsaussichten in der Wissenschaft belastend. Feste Stellen gibt es kaum.“ Zwar helfe es auf einem Gebiet zu arbeiten, dass aktuell mit hoher Priorität gefördert wird – aber die Physik sei auch eine teure Wissenschaft, für die nicht immer automatisch Geld da sei. Andererseits hätten Physikerinnen und Physiker generell recht gute Berufsaussichten, und sei es im Quereinstieg für den Schulunterricht.

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