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„Ich danke allen, die für uns gestimmt haben!“

Uni-Wissenschaftler Thorsten Kluß und sein Team loopsai haben den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung gewonnen.

Es hat also geklappt: Bis zum 9. November konnte man beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis für das Projekt loopsai online stimmen, an dem unser Wissenschaftler Thorsten Kluß beteiligt ist. In dem Projekt geht es um nachhaltiges Wirtschaften mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Am 4. Dezember kam dann abends die gute Nachricht: Kluß wurde online zur Preisverleihung zugeschaltet. loopsai hatte in der Kategorie Forschung gewonnen. Was bedeutet Kluß und seinem Team der Preis? Wir haben nachgefragt.

Herr Kluß, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis hat ja viele prominente Preisträgerinnen und Preisträger. Neben loopsai wurden zum Beispiel prominente Menschen aus Kunst und Politik ausgezeichnet, wie zum Beispiel Elton John und Ursula von der Leyen. Was ging Ihnen an dem Abend durch den Kopf, als Sie auf einmal bei der Veranstaltung in Düsseldorf online zugeschaltet wurden? Bis zum Schluss wussten Sie ja nichts von Ihrem Glück. Das gehört zum Konzept der Organisatoren.

„Ich habe mich unheimlich gefreut, dass wir gewonnen haben. Und das ging dem Rest meines Teams genauso. Ich war von der gesamten Preisverleihung beindruckt. Es wurden so viele spannende Projekte zum Thema Nachhaltigkeit vorgestellt.

Was bedeutet Ihnen der Preis?

Das Tolle daran ist die Anerkennung. Und zwar auf mehreren Ebenen: Zunächst durch den Publikumspreis. Wir hatten es ja bundesweit mit nur drei Teams ins Finale geschafft, nachdem wir von insgesamt 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Forschung, Kommunen, Wirtschaft, Ingenieurwesen und zahlreichen anderen Bereichen ausgewählt wurden. Wer den Preis gewinnen sollte, hat dann eine öffentliche Online-Abstimmung entschieden. Auch hier bei up2date. wurde ja dafür geworben. Dass wir die meisten Stimmen bekommen haben, ist großartig. Ich danke allen, die für uns gestimmt haben!

Ein weiterer toller Aspekt des Preises ist, dass wir im Sommer an einem Ideenwettbewerb – einem sogenannten Makeathon – des Deutschen Nachhaltigkeitspreises teilnehmen durften. Dieser Austausch mit Menschen aus so unterschiedlichen Bereichen, wie Wissenschaft, Unternehmen oder kulturellen Einrichtungen war unheimlich bereichernd. Und daraus ist ja unsere Idee letztlich gewachsen.

Noch mal in Kürze: Worum geht es in Ihrem Projekt?

Bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln werden oft wertvolle Stoffe weggeworfen. Wir wollen das mit loopsai ändern und einen Kreislauf ermöglichen, in dem jeder Stoff weiterverwertet werden kann. Mit Hilfe der intelligenten Open-Source-Software „loopsai - Künstliche Intelligenz natürlich integriert“ wollen wir das Konzept im Internet zugänglich machen.

Gruppenbild loopsai
Das Team loopsai vor dem angemieteten Bunker in Hamburg-Wilhelmsburg. Vorne links steht Thorsten Kluß. Das Foto ist im Herbst während der Drehaufnahmen für ein Video im Wissenschaftsmagazin „nano“ bei 3sat entstanden.
© loopsai

Was sind jetzt die nächsten Schritte in Ihrem Projekt?

Wir sind mittendrin und machen jetzt einfach weiter. Die Software „loopsai“ erproben wir ja bereits während der Entwicklungsphase in einer urbanen Farm, die nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft arbeitet. Dort wollen wir auch die nötigen Daten für die KI sammeln. Dafür haben wir in Hamburg-Wilhelmsburg einen Bunker angemietet, um Speisepilze zu züchten. Bunker haben viel Platz. Sie sind ideal, um großflächig Pilze zu züchten, die wenig Licht benötigen. Als Nährboden wollen wir den Kaffeesatz von unserem Partner „Teikei Kaffee“ nutzen. Die Pilze werden regional verkauft. Ihre Reste – vereinfacht gesagt: „die Wurzeln“ – dienen Insekten als Nahrungsgrundlage, die wiederrum eine wertvolle Proteinquelle sind. Was die Insekten übriglassen, kann in einer Biogasanlage genutzt werden, um Methan zum Heizen oder Kochen herzustellen. Als Rest bleibt ein hochwertiger Dünger, der wiederrum für den Anbau von Pflanzen genutzt werden kann.

Es waren ja noch zwei weitere Projekte in der Kategorie Forschung nominiert – eines davon aus Bremerhaven mit einer Begrünungsidee für Städte. Das andere beschäftigt sich mit der Zerlegung von chemischen Reststoffen, um sie weiter zu verwerten. Haben Sie Kontakt miteinander?

Es ist eigentlich total unpassend, dass solche innovativen Projekte zum Thema Nachhaltigkeit im Wettbewerb gegeneinander antreten. Sie sind alle wertvoll. Und genau deshalb haben wir uns entschieden, zusammenzuarbeiten und voneinander zu profitieren. Bereits vor der Preisverleihung haben wir uns getroffen. Das wollen wir beibehalten und Synergieeffekte erzeugen. Toll wäre, wenn wir unsere gemeinsamen Ergebnisse dann beim nächsten Nachhaltigkeitstag 2021 vorstellen könnten.

Hier könnt ihr ein Video über das Projekt „loopsai“ sehen.

Dieser Film ist für die Wissenschaftssendung 3sat gedreht worden.

Hier findet ihr die Pressemitteilung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Website des Projekts

Die Partner bei loopsai:

IMPCT

TEIKEI - Community Supported Coffee

Frisches Management

Cognitive Neuroinformatics, Uni Bremen

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