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Professor Hans Krings, der Bremer Schreibcoach

Tipps für das Verfassen von Hausarbeiten und wissenschaftlichen Texten

Das Verfassen von Hausarbeiten und wissenschaftlichen Texten versetzt Studierende häufig in Angst und Schrecken. Wie entkomme ich der Aufschieberitis? Wie gestalte ich eine formulierungsfördernde Schreibumgebung? Setze ich mich mit dem Laptop an den Schreibtisch, den Küchentisch, auf die Gartenbank oder sogar ins trubelige Café? Wie recherchiere ich, wie gliedere ich, wie formuliere ich wissenschaftlich klar und nicht gestelzt?

Professor Hans Krings hat auf all die bangen Fragen schlüssige Antworten. Sein „Bremer Schreibcoach“ bietet 300 praktische Ratschläge zum wissenschaftlichen Schreiben an. Seit der Experte für Angewandte Linguistik und Internationale Kommunikation seinen Ratgeber 2012 ins Netz gestellt hat, zunächst als Hypertext, inzwischen als frei herunterladbare PDF, wurde dieser mehr als fünf Millionen Mal geklickt! „Wissen über Sprache so aufzubereiten, dass es für andere einen praktischen Nutzen hat, darin sehe ich meine wissenschaftliche Mission“, sagt Krings.

Und tatsächlich ist im Schreibcoach für jede und jeden etwas dabei. Überraschend ist bereits die Definition des Lesens. Davon gibt es elf Arten: Orientierendes, kursorisches, vollständiges, studierendes, selektives, evaluierendes, skimming, browsing … Der Schreibcoach ist so gemacht, dass die Angst vor dem ersten Satz einfach verschwindet.

„Eine komplexe, zeitintensive Aufgabe“

Hinzugekommen ist der Ratgeber „Fremdsprachenlernen mit System – Das große Handbuch der besten Strategien für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis“. Das Buch ist auch in der Staats- und Universitätsbibliothek ausleihbar. Professor Hans Krings muss es wissen. Seine täglich benötigten Hauptarbeitssprachen sind Italienisch, Französisch und Englisch, aber auf seiner Wunschliste stehen weitere Sprachen, vor allem das Arabische. Eine Erkenntnis aus dem 570 Seiten starken Buch zum Fremdsprachenlernen klingt so: „Misstrauen Sie allen, die Lernwunder versprechen. Insbesondere im Internet kursieren viele Behauptungen, dass man Fremdsprachen mit dieser oder jener Methode in kürzester Zeit perfekt erwerben kann. Das sind wissenschaftlich absolut unseriöse Versprechungen. Eine Fremdsprache bis zu einem hohen Beherrschungsgrad zu erlernen, ist und bleibt eine komplexe, zeitintensive Aufgabe“.

Sprachenturm Klein
Mit 6500 Holzklötzen, auf denen alle weltweit gesprochenen Sprachen notiert waren, entstand 2009 eine acht Meter hohe Sprachenpyramide vor dem Universum. Prof. Krings bezeichnet die elf Tonnen schwere Installation, die ganz aus Sponsorenmitteln finanziert wurde, als sein „schönstes Projekt in Bremen“.
Foto: Harald Rehling / Universität Bremen

Lesen, lesen, lesen!

Viel lesen, vieles verschriftlichen. Das sind zentrale Tipps des Bremer Professors. Und hier liegt der Hase schon im Pfeffer. „Die internetbasierte Wissensgeneration hat eine völlig andere Art, mit Sprache umzugehen“, stellt der 65-jährige Wissenschaftler nüchtern, aber nicht wirklich enttäuscht fest. „Das Lesen eines Buches von A bis Z ist leider nicht mehr Standard.“ Der Professor für Angewandte Linguistik weiß, wo der Schuh drückt. Er wünscht sich für die Universität Bremen die institutionelle Etablierung eines „Literalitätszentrums“, um den wachsenden Defiziten von Studienanfängerinnen und Studienanfängern zu begegnen. Sie sollen anspruchsvolle Lese- und Schreibkompetenzen erwerben. „An vielen Stellen wird Hilfestellung gegeben, was an der Universität Bremen aber noch ausbaufähig ist, ist deren Vernetzung“, kritisiert der Experte.

Vortrag zum Sprachenlernen

Seine Mission wird ihn auch in Zukunft nicht loslassen. Professor Krings geht nämlich nach Ablauf des Sommersemesters in Pension. Dann wird er weitere Fremdsprachen lernen, Bergwandern und viel klassische Musik hören. Er blickt auf viele Höhepunkte seiner wissenschaftlichen Laufbahn zurück. 1999 kam er an die Universität Bremen und war von 2008 bis 2015 Direktor des Fremdsprachenzentrums der Hochschulen im Land Bremen (FZHB). Zum Schluss ein wichtiger Terminhinweis: Am Donnerstag, 28. Mai, wird er um 19.00 Uhr einen Vortrag zum Thema „Was bringt ein Auslandsaufenthalt für das Fremdsprachenlernen“ im Haus der Wissenschaft halten. Der Auftritt ist Teil der Festveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des Fremdsprachenzentrums. Auch ein individuelles Schreibcoaching für Promovierende steht auf der To-do-Liste des künftigen Pensionärs. Er bietet es über das Bremen Early Career Researcher Development (BYRD) an. Der Kurs ist immer schnell ausgebucht. Ganz sicher werden noch viele Interessierte von Professor Krings‘ Erfahrungen profitieren können.

Weitere Informationen:

Link zum Schreibcoach

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