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Von Brasilien nach Bremen

Doktorand Tainã Marcos Lima Pinho hat den Bernd Rendel Preis bekommen. Im Interview erzählt er von seinem Karriereweg

Forschung / Meer

Kann Wäsche waschen ein Glücksmoment sein? Für Tainã Marcos Lima Pinho schon: Der 32-jährige Doktorand der Fachbereich 05: Geowissenschaften der Universität Bremen legte vor einigen Wochen gerade Pullover und Hosen zusammen, als sein Telefon ein lautes „Ping“ von sich gab. Ah, eine neue E-Mail – und was für eine: Taina Marcos Lima Pinho erhält den renommierten Bernd Rendel Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit diesem Preis würdigt die DFG Qualität und Originalität der Forschung junger Wissenschaftler:innen.

Als Sie erfuhren, dass Sie den Bernd Rendel Preis gewonnen haben, wie haben Sie sich gefühlt?

Ich war so glücklich – aber mir war auch ein wenig schwindlig. Ich mache so viele Dinge auf einmal in meiner wissenschaftlichen Karriere, dass ich manchmal vergesse, wirklich den Moment zu genießen. Der Gewinn dieses Preises war eine Chance, innezuhalten und nachzudenken. Es ist eine angesehene, prestigeträchtige Auszeichnung und für mich ist es unglaublich wichtig, weil ich in Deutschland bleiben möchte, um hier zu forschen. Erstmals wurde ein brasilianischer Forscher mit diesem Preis geehrt, und auch meine Forschungsabteilung am Alfred-Wegener-Institut erhält ihn zum ersten Mal. Die Bedingungen für eine wissenschaftliche Karriere sind hier viel besser als in Brasilien, wo ich herkomme. Außerdem ist Norddeutschland, genauer gesagt Bremen, der beste Ort für meinen Forschungsbereich in der Geowissenschaft. Der nächste Schritt ist, meine Promotion im Dezember zu beenden. Aber zuerst freue ich mich wirklich auf die offizielle Preisverleihung in Göttingen im September.

Der Bernd Rendel Preis wird an junge Forschende mit vielversprechenden Karriereaussichten vergeben. Wie hat Ihr Karriereweg bisher ausgesehen?

Ziemlich ungewöhnlich. Ich bin ausgebildeter Chemietechniker. In Brasilien machte ich einen Bachelor-Abschluss, im Umweltmanagement – also nicht in der Geologie, in der ich ja heute tätig bin. Das mag seltsam klingen, da es ja sehr unterschiedliche Themen sind. Aber während meines Studiums absolvierte ich mehrere wissenschaftliche Praktika und arbeitete mit Forschenden in der Paläozeanographie und Paläoklimatologie zusammen. Die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen war letztlich entscheidend für mich. Die ganze Umgebung war sehr unterstützend, alle waren offen für Diskussionen. Ich liebte diese Freiheit, und darüber hinaus sind die Forschungsthemen Paläozeanographie und Paläoklimatologie ja auch absolut faszinierend.

Das Bild zeigt einen schwarzen, länglichen Block neben einer Plastikleiste.
Ein Sedimentkern aus der Antarktis
© Alfred-Wegener-Institut

Nachdem Sie dieses Forschungsfeld für sich entdeckt haben, haben Sie einen Master-Abschluss gemacht, richtig?

Ja, an der Universität von São Paulo in Brasilien. Ich habe mit marinen Sedimentkernen – also Materialien aus dem Meeresboden – in den subtropischen und tropischen Regionen Brasiliens gearbeitet. Aktuell promoviere ich an der Universität Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut im selben Forschungsfeld, aber an einem ganz anderen Ort: der Antarktis. Ich habe die Standorte gewechselt, aber nicht meinen Forschungsschwerpunkt.

Was genau erforschen Sie?

Kurz gesagt: Ich analysiere Klimaarchive, um zu verstehen, wie das Klimasystem der Erde funktioniert. Zu Beginn meiner Promotion im Oktober 2021 bin ich zunächst mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ in die Antarktis gereist. Ich sammelte Sedimentproben aus dem Meeresboden – bis zu 3.000 Meter tief. Diese Sedimente enthalten viele Informationen über vergangene Klimaintervalle und verwandte Prozesse. Dieser Rückblick in die ferne Vergangenheit ist wichtig, da einige frühere Klimabedingungen den Verhältnissen heute sehr ähneln – beispielsweise bezüglich der Luftzusammensetzung, der Durchschnittstemperatur, der CO2-Konzentration und des Meeresspiegelanstiegs. Durch die Untersuchung dieses spezifischen Orts, der Antarktis, können wir wichtige Prozesse aufdecken, die uns helfen, das Klimasystem der Erde besser zu verstehen.

Zwei Männer mit Gehörschutz arbeiten auf einem Tisch.
Öffnen eines in der Antarktis entnommenen Meeresbodensedimentkerns in zwei Hälften im Nasslabor an Bord der Polastern.
© Lester Lembke-Jene / Alfred-Wegener-Institut

Zurück in Deutschland begannen wir, das gesammelte Material zu untersuchen, um sein Potenzial zu erschließen. Während dieser Phase war die Unterstützung meiner Vorgesetzten unerlässlich. Sie halfen mir bei der Bewertung meiner Funde, schätzten Dinge teils auch nochmal ganz neu ein. Das brauchte Zeit. Als Doktorand:in lernt man, geduldig zu sein. Aber ich bin glücklich, den gesamten Prozess durchlaufen zu haben: Das Sammeln, Analysieren und Kommunizieren von Ergebnissen. Das ist alles sehr spannend. Ich bin dankbar, erfahrene Forscher:innen an meiner Seite zu haben – Wissenschaft ist Teamarbeit.

Wie funktioniert die Betreuung während des Promotionsstudiums? Gibt es feste Strukturen an der Universität Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut?

Ich habe regelmäßig ausführliche Einzelgespräche mit meinem Erstbetreuer, Professor Ralf Tiedemann. Außerdem gibt es einen Beirat, der etwa alle sechs Monate zusammenkommt. Wir diskutieren meine Fortschritte und eventuelle Hindernisse. Die Forschenden unterstützen mich bei meiner Promotion – nicht nur wissenschaftlich, sondern auch persönlich. Sie wissen, wie schwierig es ist, zu promovieren und erinnern mich daran, auch mal Pausen einzulegen. Wir Forschenden müssen uns um unsere psychische Gesundheit kümmern, weil wir fit und kreativ sein müssen für unsere Tätigkeit. Darüber hinaus treffen sich meine Vorgesetzten und Betreuer alle sechs Monate etwa, um Fristen festzulegen und die nächsten Schritte zu besprechen. Ich habe großes Glück, tolle Betreuer:innen zu haben: Professorin Gesine Mollenhauer, Professor Gerrit Lohmann, und mein Erstbetreuer Professor Ralf Tiedemann, die alle an der Universität Bremen tätig sind.

Was sind Ihre Pläne nach Abschluss Ihrer Promotion?

Ich möchte in Norddeutschland bleiben – in Bremen, um genau zu sein. Wenn es um Paläozeanographie und Paläoklimatologie geht, ist diese Region hier wirklich etwas Besonderes. Aktuell schreibe ich eine Postdoc-Bewerbung innerhalb eines DFG-Schwerpunktprogramms im Zusammenhang mit Antarktis- und Arktisstudien. Mein Ziel ist, im Juli nächsten Jahres zu beginnen. Davor möchte ich mit dem Preisgeld nach Brasilien reisen, um mehr über neue, vielversprechende Forschungsgeräte zu erfahren. Ich möchte eine neue Technik ausprobieren, die in Brasilien erfunden wurde, und diese nach Deutschland bringen. Sie ist innovativ, noch nicht weit verbreitet und vor allem preiswert für Forschungszwecke.

Haben Sie einen Rat für Studierende, die eine wissenschaftliche Karriere in Betracht ziehen?

Das Wichtigste ist sicherlich, viel zu veröffentlichen. So kannst du zeigen, dass du produktiv bist. Aber: Gute Veröffentlichungen erfordern starke Partnerschaften. Daher ist es wichtig, sich mit Menschen in der eigenen Forschungsgemeinschaft zu verbinden. Integriere dich. Zögere nicht, um Hilfe zu bitten oder „dumme“ Fragen zu stellen. Das alles ist Teil guter Wissenschaft.

Weitere Informationen

Webseite Bernd Rendel Preis

AWI Pressemitteilung

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