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Kennt ihr schon... die Glastechnische Werkstatt?

Auf dem Campus gibt es viel zu entdecken. Was verbirgt sich hinter den vielen Türen? up2date. hat für Neugierige angeklopft. Willkommen zur etwas anderen Campusführung!

Roswitha Krebs-Goldbecker ist in der Universität Bremen Herrscherin über das Glasreich. Ihre Arbeitsmaterialien sind äußerst zerbrechlich. Auf ihrem Werktisch liegen Dutzende Glasröhren und -stäbe in allen Längen und Größen. Etwas versteckt im Untergeschoss des NW2 fertigt die Glasapparatebaumeisterin Sonderanfertigungen für Labor- und Versuchsaufbauten an. Ihre Auftraggeber sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zum Beispiel in den Fachbereichen Biologie/Chemie und Produktionstechnik lehren und forschen.

„Man muss das Material Glas verstehen, um beurteilen zu können, welche Formen möglich sind und wie sie funktionieren“, sagt Krebs-Goldbecker. Über der bis zu 2.000 Grad heißen Flamme des Brenners erhitzt sie Glasstäbe oder Glasröhren. In vielen kleinen Arbeitsschritten fertigt sie durch beständiges Drehen, Aufblasen, Aufschleudern und miteinander Verschmelzen einfache und komplizierte Glasapparaturen an: vom kleinen Spatel bis zu komplizierten Apparatursystemen. Wie in jedem Handwerk gilt auch hier: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. In diesem Fall Glasspäne. „Besonders nur wenige Zentimeter große Anfertigungen können unglaublich kompliziert und zeitaufwendig sein,“ erklärt die Handwerkerin.

Zu sehen ist eine doppelte Vakuumlinie, die mit Argon betrieben wird und unter Vakuum arbeitet. Sie ist mit zwei doppelten Hahn-und Ventilkonstrukten versehen, die mit beiden langen Rohren (dem größeren und dem kleinen) verbunden sind. Es gibt diverse Ein- und Ausgänge in verschieden Richtungen, an denen noch weitere Glaskonstrukte wie Kühlfallen, Geräte für Druckausgleich oder Manometer angeschlossen werden.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen

Vom Handwerk zurück zur Uni

Nach ihrer Ausbildung als Glasapparatebauerin an der Uni Bochum und drei Jahren im Handwerk kam Krebs-Goldbecker 1990 an die Uni Bremen. Bis heute ist sie die einzige ihres Fachs in ganz Bremen. Sie erstellt Sonderanfertigungen für besondere Versuchsaufbauten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besprechen ihre Vorstellungen direkt mit ihr. Krebs-Goldbecker prüft diese Ideen, entwickelt Lösungen und fertigt ihre Unikate an. Dafür benutzt sie Glasrohre aus Duran-Laborglas mit Durchmessern von drei Millimetern bis 150Millimetern. Für besondere Anfertigungen verarbeitet sie auch Quarzglas, das eine hohe thermische Beständigkeit aufweist. Jedes Stück, das Roswitha Krebs-Goldbecker herstellt, ist eine Sonderanfertigung.

Bild 1/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
Bild 2/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
Bild 3/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
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© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
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Bild 6/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
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Bild 7/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
Bild 8/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen
Bild 9/9 Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen

Achtung, Explosionsgefahr!

Ein weiterer Arbeitsbereich von Krebs-Goldbecker ist die Reparatur von Laborgeräten. Besonders bei bestehenden Sonderanfertigungen ist ihr Können gefragt. Hier kann die Glasapparatebauerin einzelne Teile und Stücke rekonstruieren und neu einbauen. Voraussetzung ist, dass die zu reparierenden Teile absolut sauber und fettfrei sind. Warum? Wegen der Explosionsgefahr. „Wenn gefüllte Glasampullen verschmolzen werden sollen, ist meine erste Frage immer: brennbar, giftig, explosiv? Denn bei der Bearbeitung kommen die enthaltenden Rückstände mit einer 1.500 bis 2.000°C heißen Flamme in Kontakt. Dabei kann schon einiges passieren!“ Nachdem sie das Glas in die richtige Form gebracht hat, muss das entstandene Gefäß oder die Apparatur für einige Zeit bei 560°C in den Ofen. „Bei der Bearbeitung entstehen Spannungen im Glas. Im Ofen bei diesem als Tempern bezeichneten Vorgang wird die Spannung im Glas aufgehoben und es bleibt bei Temperaturwechseln stabil“, erklärt Krebs-Goldbecker.

Einblicke in die Arbeiten der Glastechnischen Werkstatt der Universität Bremen.
© Sascha Hebenbrock / Universität Bremen

Neugierig geworden?

Mehr Infos gibt es auf der Webseite der Glastechnischen Werkstatt.

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