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Vorlesung in Häppchen zum Mitnehmen

Lange Erklärungen vor der Tafel – Studierende im Tiefschlafmodus – damit ist Schluss

Professorin Anna Förster hat ihre Lehrmethoden radikal umgestellt. Dafür hatte sie Helfer: das Zentrum für Multimedia in der Lehre, ihr Team aus der Arbeitsgruppe Nachhaltige Kommunikationsnetze im Fachbereich Physik / Elektrotechnik und den Konrektor für Lehre 
und Studium, Professor Thomas Hoffmeister. Nicht zu vergessen das Programm ForstA digital, Forschend studieren von Anfang an.

„Es war ganz klar das falsche Format. Das musste ich anders machen.“

Es ist ja auch ein Anfängerkurs, den Anna Förster revolutioniert hat. „Einführung in die Grundlagen der Informatik“, speziell für Elektrotechniker. Schonungslos beschreibt die innovative Informatikerin, wie sie es früher gemacht hat. „Zwei Stunden pro Woche stand ich in meiner Vorlesung vor der Tafel und habe Programmieren unterrichtet. Die Studierenden befanden sich dabei im Tiefschlafmodus.“ Sie hat erklärt und erzählt ohne Ende, sich Mühe gegeben. Aber wenn die Programmier-Anfänger zu Hause ihre Übungszettel ausfüllen wollten, stellten sie fest: Klappt nicht, ist Mist.

Sechsmal im Jahr laden Anna Förster und ihr Team die Studierenden zu einem „Hackathon“ ein. 
Foto: Jens Bücking / ZMML

Einladung zum Hackathon

„Es war ganz klar das falsche Format“, sagt die Hochschullehrerin. „Das musste ich anders machen.“ Und so hat es dann doch geklappt: Die Vorlesungsinhalte hat die Professorin in kleine Abschnitte zerlegt und verfilmt. Videoschnipsel – 60 sind es inzwischen an der Zahl – geben Auskunft über ­Teil­abschnitte der Programmierung. Was muss ich eingeben, damit ein Lämpchen in einer vorgeschriebenen Frequenz blinkt oder ein Spiel funktioniert? Das können Studierende anhand der sorgfältig geschnittenen Videos jetzt leicht nachvollziehen. „Es hat mich gemeinsam mit Helferinnen und Helfern viel Arbeit gekostet, es hat sich aber gelohnt“, sagt sie. Die Studierenden schauen sich die Übungen online auf Smartphone, Tablet oder Computer an. Immer da, wo sie es möchten. Vor allem mobil, unterwegs, mit Freunden im Austausch.

Zur Aufmunterung gibt es zwar keine Pizzen, unabdingbar sind aber Schokolade und Zitrusfrüchte. 
Foto: Jens Bücking / ZMML

Jeder könne in seinem eigenen Tempo lernen, das sei ein weiterer Vorteil. Sechsmal im Semester laden Anna Förster und ihr Team die Studierenden zu einem „Hackathon“ ein. Hinter dem in der Informatik gebräuchlichen Wort verbergen sich „Hacker“ und „Marathon“. Es dauert also länger und ist sehr intensiv. „Zwar keine Pizzakartons, aber jede Menge Schokolade ist auf den Tischen zu sehen“, lacht Anna Förster. Die Studierenden arbeiten in Gruppen vier Stunden lang an einer Programmieraufgabe und vertiefen so ihr Wissen.

Positive Evaluation

Das Prinzip nennt sich „inverted classroom“ oder „inverted teaching“. Der Wissenserwerb wird umgedreht. Zunächst Übungen online nach Anleitung, dann die Zusammenführung des Gelernten und die theoretische Durchdringung. Anna Förster ist überzeugt, dass durch die Innovation ihrer Lehrmethode eine ganze Reihe von Studierenden mitgekommen sind, die sonst kaum eine Chance gehabt hätten. „Wir haben gerade bei den Anfängern sehr viele Bildungsausländerinnen und -Ausländer, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ich weiß nicht, was aus denen geworden wäre“, sagt sie. Eine erste Evaluation gab ihr Recht. Von 100 Studierenden haben 80 eine Rückmeldung gegeben, durchgängig positiv.

Vier Stunden lang lösen Studierende Programmieraufgaben. 
Foto: Jens Bücking / ZMML

„Wir unterrichten eine neue Generation, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist. Da müssen wir mitziehen“, ist sich Anna Förster sicher. Sie ist selbst noch keine 40. Dass sich Studierende lieber ein Video anschauen als kopierte Arbeitsblätter durchzuackern, ist für sie ganz normal. „Wir dürfen sie nicht auslachen, sondern müssen einfach andere Möglichkeiten nutzen.“ So klingt ihr Fazit.

http://unihb.eu/hDjEQ52P
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